Südwestlich von Berlin, in der Nähe von Potsdam und umgeben von tiefen Wäldern, befindet sich die Stadt Beelitz. Beelitz ist zum einen als Spargelstadt bekannt, da es den Mittelpunkt des größten brandenburgischen Spargelanbaugebietes darstellt. Zum anderen ist es aber auch vor allem für die zwischen 1898 und 1930 errichtete und heute seit 1994 verlassene Arbeiter-Lungenheilstätte Beelitz Heilstätten bekannt. Genau darum wird es auf meiner Webseite in den nächsten drei Teilen, die im Laufe der nächsten Tage und Wochen folgen, gehen.

Am 8. Oktober besuchten ich und Muldental Photography während einer offiziellen Foto-Tour von go2know diesen faszinierenden Ort. Im Vorfeld haben wir uns für diese Tour, die um 10:30 Uhr beginnen und um 17:30 enden sollte, auf der Webseite von go2know angemeldet. Die 7-Stunden-Tour, die 70 € kostet, haben wir gebucht, in der man sich auf dem Gelände und in den enthaltenen Gebäuden frei aufhalten und fotografieren kann. Die 7-Stunden-Tour ist die komplette Tour, in der das Whitney Houston Haus, das Männersanatorium, die Zentralbadeanstalt und das Verwaltungsgebäude enthalten sind. In diesem ersten Teil wird es, aufgrunddessen, dass ein zusammengefasster Beitrag den Umfang sprengen würde, erstmal nur um das Whitney Houston Haus und das Verwaltungsgebäude gehen. In den nächsten Teilen geht es dann jeweils um die Zentralbadeanstalt und um das Männersanatorium. Es waren deutlich mehr Leute als ich angenommen hatte. Als wir am Bahnhof Beelitz Heilstätten mit dem Auto angekommen waren, standen bereits etwa 50 Personen da, die ebenfalls diese Tour gebucht hatten. Die Teilnehmer wurden beim Start erstmal in zwei Gruppen aufgeteilt, sodass die eine Gruppe sich zuerst das Whitney Houston Haus ansehen konnte und die andere Gruppe den Rest. Denn das Whitney Houston Haus ist im Gegensatz zu den anderen drei Gebäuden ein paar Meter weiter entfernt. Es war allerdings noch im Rahmen, da sich das alles irgendwie verläuft und nicht jeder bis zum Schluss die Tour ausnutzt. Im Großen und Ganzen hat sich der Besuch für mich definitiv gelohnt, vor allem wenn man noch nie da war. Es hat sich aber trotzdem einiges zu den letzten Jahren geändert. Vieles wurde für Filmdreharbeiten erneuert und hergerichtet. Beelitz ist aufgrund der außergewöhnlichen Architektur und dem Verfall immer wieder eine beliebter Ort für Filmdrehs. U. a. wurden hier Filme wie Operation Walküre mit Tom Cruise oder Der Pianist von Roman Polanski gedreht. Außerdem diente Beelitz für Rammstein als Kulisse für den Videodreh zu Mein Herz brennt.

Die Geschichte von Beelitz Heilstätten ist wirklich sehr interessant. 1898 hatte sich die Landesversicherungsanstalt Berlin in der Stadt Beelitz für den Bau einer Lungenheilanstalt ein 140 Hektar großes Waldgelände gekauft. Da man es zu jener Zeit für sinnvoll hielt die Behandlung von Lungentuberkulose an Orten mit sauberer und frischer Luft durchzuführen, wurde Beelitz für den Bau des Komplexes gewählt. Es wurden bis zur erstmaligen Belegung 1902 je eine Lungenheilstätte für Männer und Frauen, zwei getrenntgeschlechtliche Sanatorien sowie weitere Infrastrukturgebäude für den Klinikbetrieb errichtet. In der Zeit von 1902 bis 1926 waren in Beelitz Heilstätten bereits 66.445 Männer, 43.953 Frauen und 6.559 Kinder behandelt worden.
Ab 1914 wurde das Klinikgelände im 1. Weltkrieg zum Vereinslazarett des Roten Kreuzes umfunktioniert, wo zahlreiche Soldaten behandelt wurden, u. a. auch der damals noch unbekannte Gefreite Adolf Hitler. 1920 wurde das Ganze wieder als Lungenheilstätte genutzt, wobei aufgrund von Kapazitätsengpässen erstmal nur noch Frauen aufgenommen wurden. Nach ein paar Jahren hatte man aber auch wieder Männer aufgenommen und man erweiterte das Gelände noch um eine chirurgische Klinik. Zum 2. Weltkrieg wurde Beelitz Heilstätten wieder als Lazarett genutzt und teilweise schwer beschädigt.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde der ganze Komplex von der Roten Armee übernommen, zum Sperrgebiet erklärt und galt bis deren Abzug 1994 als das größte Militärhospital der Sowjets außerhalb der UdSSR. Von April 1990 bis März 1991 hielt sich hier auch der an Leberkrebs erkrankte Erich Honecker sowie seine Frau auf, bis sie anschließend nach Moskau ausgeflogen wurden.
Traurige Berühmtheit erlangte Beelitz auch noch durch die „Bestie von Beelitz“ oder auch „Rosa Riese“genannt. 1991 wurde Beelitz für den Serienmörder Wolfgang Schmidt, der in der Zeit von 1989 bis 1991 insgesamt 6 Menschen tötete, zum Tatort. Er brachte die Frau eines russischen Chefarztes aus dem Sanatorium sowie deren neugeborenes Kind um und verging sich an der Leiche. 1991 wurde er gefasst und zu 15 Jahren Haft verurteilt mit anschließender Sicherung Maßregelvollzug.
Seit 1994 schreitet der Verfall auf dem Gelände voran. Viele Gebäude wurden bereits saniert und anderweitig genutzt. Andere Teile stehen aber bis heute noch still, wobei manches auch zum Teil hergerichtet wurde (z. B. die Badeanstalt oder das Männersanatorium). Das Whitney Houston Haus ist z. B. auch aufgrund der guten Sicherung eines der am besten erhaltenen Gebäude. Ein 24-h-Wachschutzdienst sorgt auch dafür, dass das Gelände nicht weiterhin dem Vandalismus verfällt.

Als Erstes zeige ich euch die Bilder vom Whitney Houston Haus. Mit Whitney Houston hat es nicht wirklich etwas zu tun. Der Name kommt von Kunststudenten, die hier eine Zeit lang gehaust hatten und im großen Saal mit der Bühne ein Banner mit der Aufschrift „Whitney Houston“ aufgehangen hatten.

Beelitz Heilstätten - Whitney-Houston-Haus

Als nächstes folgen die Bilder aus dem ehemaligen Verwaltungsgebäude, das nicht mehr so gut in Schuss ist und auch nicht ganz so interessant wie die anderen Gebäude ist. Dennoch lohnt sich ein Blick hinein allemal.

Zurück