Verlassene Gebäude erzählen Geschichten, die man ihnen auf den ersten Blick oft nicht ansieht. Hinter verschlossenen Türen, bröckelnden Fassaden und überwucherten Grundstücken verbirgt sich die Geschichte von Orten, die einmal ganz selbstverständlich zum Alltag gehörten.

In und rund um Meißen habe ich über die Jahre einige dieser vergessenen Orte fotografiert. Darunter ehemalige Krankenhäuser, Fabriken, Wohnhäuser und historische Gebäude, die heute teilweise längst verschwunden sind oder eine neue Nutzung bekommen haben.

Verlassene und vergessene Orte rund um Meißen

Nicht jeder Lost Place bleibt für immer verlassen. Manche Gebäude werden saniert und bekommen ein zweites Leben, andere werden aufgrund ihres Zustands abgerissen. Genau deshalb verstehe ich diese Sammlung auch als fotografisches Archiv: Die Bilder halten Zustände fest, die heute teilweise nicht mehr existieren.

Landkrankenhaus Meißen-Cölln
Landkrankenhaus Meißen-Cölln

Die Geschichte des ehemaligen Landkrankenhauses im Meißner Stadtteil Cölln reicht bis ins Jahr 1863 zurück. Aus einer damaligen Krankenstube entwickelte sich über die Jahrzehnte ein großer Krankenhauskomplex, der bis 1998 genutzt wurde. Danach standen die historischen Gebäude leer. Ein schwerer Brand im Jahr 2014 zerstörte schließlich den Dachstuhl und prägte das Bild des Lost Places für Jahre.

Meine Fotografien von 2015 und 2021 zeigen das ehemalige Krankenhaus in dieser Zeit des Verfalls. Heute wird die denkmalgeschützte Anlage saniert und einer neuen Nutzung zugeführt.

Alte Ziegelei „Rotes Haus“
Alte Ziegelei „Rotes Haus“

Die ehemalige Ziegelei „Rotes Haus“ an der Nossener Straße gehört zu den interessantesten Zeugnissen der Meißner Industriegeschichte. Ihre Wurzeln reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Zwischen 1881 und 1895 wurde die Anlage unter anderem um einen Hoffmannschen Ringofen, einen Wasserturm und umfangreiche Trockeneinrichtungen erweitert. Hier wurde der Ton aus den unmittelbar angrenzenden Lehmgruben zu Ziegeln verarbeitet.

Bis 1993 blieb das „Rote Haus“ als Ziegelei in Betrieb. Danach begann eine lange Phase des Leerstands, in der die historischen Gebäude zunehmend verfielen.

Das Kornhaus zu Meißen
Das Kornhaus zu Meißen

Das Kornhaus auf dem Meißner Burgberg gehört zu den ältesten und außergewöhnlichsten Gebäuden der Stadt. Der ursprünglich im 15. Jahrhundert errichtete Speicher wurde später unter anderem von der Meißner Porzellanmanufaktur genutzt. Nach weiteren Nutzungen und einem langen Leerstand schien seine Zukunft lange ungewiss.

Inzwischen hat sich das Blatt gewendet: Die Otto-und-Emma-Horn-Stiftung erwarb das Gebäude Ende 2023 und begann 2024 mit einer umfassenden Sanierung. Dach und Fassade wurden inzwischen erneuert – aus dem vergessenen Gebäude soll wieder ein belebter Teil des Meißner Burgbergs werden.

Alte Molkerei in Meißen
Alte Molkerei in Meißen

Im Meißner Triebischtal, unweit der heutigen Triebischtalschule, entstand Ende des 19. Jahrhunderts die Molkerei Meißen. Das Kontorgebäude wurde bereits 1880 errichtet, die Molkerei selbst 1888 als Genossenschaft gegründet. Besonders interessant: Ein Teil der Milch wurde einst über die Schmalspurbahn ins Triebischtal transportiert.

Nach der Stilllegung im Jahr 1991 standen die Gebäude lange leer und verfielen zunehmend. Ab 2021 wurde die ehemalige Fabrikanlage weitgehend abgerissen. Erhalten blieb das historische Kontorgebäude von 1880, das heute unter Denkmalschutz steht.

Wohnhäuser in der Fährmannstraße
Wohnhäuser in der Fährmannstraße

Auch mitten im Meißner Stadtgebiet gab es Orte, die über Jahre einen beinahe vergessenen Eindruck vermittelten. Die verlassenen Wohnhäuser in der Fährmannstraße standen lange leer und verfielen zunehmend.

Verwilderte Grundstücke, leere Fenster und beschädigte Gebäude machten die Häuser zu einem ungewöhnlichen Lost Place. Inzwischen hat sich das Bild stark verändert: Einige Gebäude wurden saniert, andere abgerissen.

Lost Places in der Umgebung

Die Geschichten dieser Orte enden nicht an der Stadtgrenze. Auch in der näheren Umgebung von Meißen habe ich Gebäude fotografiert, die ihre ursprüngliche Funktion verloren hatten und später verschwanden oder verändert wurden.

Kulturhaus der AWD in Radebeul
Kulturhaus der AWD in Radebeul

Das ehemalige Kulturhaus der AWD in Radebeul war einst ein Ort für Veranstaltungen und gemeinschaftliches Leben. Später stand das Gebäude leer und verfiel zunehmend.

Für einige Jahre war das ehemalige Kulturhaus damit ein Lost Place, bevor auch hier das Ende kam. Das Gebäude wurde abgerissen – heute erinnern vor allem Fotografien an den früheren Zustand.

Gasthof Gärtitz
Gasthof Gärtitz

Der ehemalige Gasthof Gärtitz bei Döbeln steht für eine andere Art von Lost Place: das klassische Dorfgasthaus, das einst Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens war und später seine Bedeutung verlor.

Nach dem Ende des Gaststättenbetriebs folgten Leerstand und Verfall. Inzwischen ist auch dieser Gasthof verschwunden. Die Fotografien bewahren einen Blick auf ein Gebäude, das einst selbstverständlich zum Alltag der Umgebung gehörte.

Orte im Wandel

Einige der hier gezeigten Lost Places gibt es heute nicht mehr, andere werden saniert oder haben bereits eine neue Nutzung gefunden. Meine Fotografien zeigen diese Orte so, wie ich sie vorgefunden habe – mit all den Spuren von Leerstand, Verfall und ihrer früheren Nutzung.

So entsteht mit der Zeit ein fotografisches Archiv von Orten in Meißen und Umgebung, die sich ständig verändern. Was heute noch verlassen ist, kann morgen schon ganz anders aussehen.