Bergbrauerei Großenhain – Geschichte eines verschwundenen Lost Places
Von der ehemaligen Bergbrauerei in Großenhain-Zschieschen ist heute nichts mehr zu sehen. Die Gebäude, die über Jahrzehnte das Bild des Areals prägten und später zu einem Lost Place wurden, sind inzwischen vollständig verschwunden.
Dabei blickte die Brauerei auf eine mehr als 120-jährige Geschichte zurück.
Eine Brauerei seit 1864
Gegründet wurde die Brauerei 1864 durch den Braumeister Heinrich Richter. Im Laufe ihrer Geschichte wechselte der Betrieb mehrfach den Besitzer und seinen Namen. Unter anderem war die Brauerei als „Brauerei Richter“ und „Brauerei zum Bergkeller“ bekannt, bevor sich schließlich der Name Bergbrauerei durchsetzte.
Anfang des 20. Jahrhunderts übernahm die Familie Berndt den Betrieb und prägte die weitere Entwicklung der Brauerei. Zum Unternehmen gehörten neben der eigentlichen Bierproduktion auch mehrere Gaststätten in der Region. Das Bier wurde mit einem eigenen Fuhrpark ausgeliefert. In den besten Zeiten gehörten dazu sogar 14 Pferde, mit denen die umliegenden Orte angefahren wurden.
Eine Besonderheit der Brauerei waren die eigenen Brunnen. Das dort geförderte Wasser wurde für die Bierproduktion genutzt, aber auch für die Herstellung von Limonaden und Selters.
Nach dem Zweiten Weltkrieg änderten sich die Eigentumsverhältnisse erneut. In der DDR wurde die Bergbrauerei schließlich Teil der staatlichen Getränkewirtschaft und als Betriebsteil der Felsenkellerbrauerei Meißen geführt.
Das Ende der Brauerei
Nach mehr als einem Jahrhundert endete die Geschichte der Bergbrauerei. 1989 wurde der Betrieb aufgegeben. Die Gebäude blieben anschließend ungenutzt und verfielen zunehmend.
Aus der ehemaligen Produktionsstätte wurde langsam ein Lost Place.
Als ich die Brauerei 2016 zum ersten Mal fotografierte, waren die Gebäude bereits deutlich vom Verfall gezeichnet. Besonders das Hauptgebäude befand sich in einem teilweise sehr schlechten Zustand. Mehrere Decken waren bereits eingestürzt, andere wirkten so instabil, dass die oberen Etagen nicht mehr gefahrlos betreten werden konnten.
Auf eine Erkundung dieser Bereiche verzichtete ich deshalb.
Ein beeindruckender Lost Place
Trotz des schlechten Zustands war die ehemalige Brauerei fotografisch ausgesprochen interessant. Viele Bereiche waren damals noch vergleichsweise wenig von Vandalismus und Graffiti betroffen. Dadurch standen die Spuren des natürlichen Verfalls im Vordergrund.
Verwitterte Wände, alte Produktionsräume, eingestürzte Decken und die Vegetation, die sich langsam ihren Weg durch die Gebäude bahnte, ergaben eine ganz besondere Atmosphäre.
Besonders faszinierend war der Kontrast zwischen der einstigen Nutzung und dem heutigen Zustand. Wo früher Bier gebraut, abgefüllt und für die Auslieferung vorbereitet wurde, herrschte inzwischen völlige Stille.
Revisit im Jahr 2018
Im Oktober 2018 kehrte ich noch einmal zur ehemaligen Bergbrauerei zurück. Nach nur zwei Jahren war der Verfall deutlich weiter fortgeschritten. Die ohnehin schon marode Bausubstanz wirkte noch stärker beschädigt und an vielen Stellen hatte sich die Natur weitere Bereiche zurückerobert.
Gleichzeitig zeichnete sich bereits ab, dass die Tage der alten Gebäude gezählt waren.
Kurz darauf begannen die Abrissarbeiten. Die gesamte Anlage wurde schließlich abgetragen und damit verschwand die Bergbrauerei endgültig aus dem Stadtbild von Großenhain.
Die Bergbrauerei im Jahr 2016
Die folgenden Aufnahmen entstanden bei meinem ersten Besuch im Jahr 2016. Zu diesem Zeitpunkt stand die ehemalige Brauerei noch vollständig und vermittelte trotz ihres verlassenen Zustands einen guten Eindruck von der Größe und Struktur der einstigen Anlage.
Heute nur noch auf Fotografien erhalten
Heute erinnert vor Ort kaum noch etwas an die ehemalige Brauerei. Von den Gebäuden, in denen über ein Jahrhundert lang Bier produziert wurde, ist nichts mehr übrig.
Umso schöner ist es, noch die Fotografien aus den Jahren 2016 und 2018 zu besitzen. Sie dokumentieren nicht nur einen verlassenen Ort, sondern auch dessen letzten Abschnitt: von einer bereits stark verfallenen Brauerei bis zu ihrem endgültigen Verschwinden.
Die Bergbrauerei Großenhain ist damit ein gutes Beispiel dafür, wie vergänglich Lost Places sein können. Manche Gebäude stehen jahrzehntelang leer und verfallen langsam – und irgendwann verschwinden sie innerhalb weniger Monate vollständig.
Die Bergbrauerei gibt es heute nicht mehr. Ihre Geschichte und die Bilder aus ihrer letzten Zeit bleiben jedoch erhalten.
Wer meine Arbeit unterstützen möchte, kann mich gern bei Ko-Fi unterstützen: Bring mich dahin!
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Lost-Places-Fotografie aus Meißen
Ich bin Philipp aus Meißen und fotografiere seit einigen Jahren verlassene Orte. Verwitterte Mauern, zerbrochene Fenster und verblasste Erinnerungen - diese Orte erzählen Geschichten von einer vergangenen Zeit. Mich fasziniert die morbide Schönheit dieser Orte und die Spuren der Zeit, die sie tragen.
Mit meiner Kamera halte ich diese vergessenen Momente fest und bewahre sie vor dem Vergessen. Dabei gibt es immer ein Motto: "Nimm nichts mit, außer Fotografien und hinterlasse nichts, außer Fußspuren!".
Neben der Lost-Places-Fotografie entstehen auf meinen Reisen und Touren auch Fotografien von Städten, Landschaften, Stadien und anderen besonderen Orten.
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