Der Gasthof „Zur Erholung“ in Buchheim bei Bad Lausick war einer dieser Orte, bei denen man schon beim Betreten merkte, dass hier einmal deutlich mehr los gewesen sein muss. Als wir den ehemaligen Gasthof erstmals besuchten, war der gastronomische Betrieb bereits seit Jahren Geschichte. Geblieben waren dafür die Spuren eines ganz normalen Dorflebens: ein großer Saal, alte Möbel, zurückgelassene Gegenstände und jede Menge Details, die langsam vom Verfall eingeholt wurden.
Besonders ins Auge fiel der große Saal mit seiner typischen DDR-Decke. Die roten Vorhänge, die Wandverkleidungen, die Bühne und die alten Leuchten vermittelten noch erstaunlich gut den Eindruck eines früheren Veranstaltungsortes. Heute wirkt der Raum verlassen und staubig – mit etwas Fantasie lässt sich aber noch erahnen, wie hier einst gefeiert, getanzt und zusammengesessen wurde.
Und tatsächlich war die Gaststätte lange Zeit ein wichtiger Treffpunkt für die Buchheimer. Der Männerchor Buchheim nutzte den Gasthof über Jahrzehnte für seine Singstunden und Veranstaltungen. Zum 100-jährigen Bestehen des Chores im Jahr 1998 wurde hier noch groß gefeiert. Einige Jahre später musste der Chor nach der Schließung der „Erholung“ auf andere Räumlichkeiten ausweichen.
Auch abseits des Saales gab es noch einiges zu entdecken. In den ehemaligen Gasträumen standen Möbel und Einrichtungsgegenstände teilweise noch an ihrem ursprünglichen Platz. Besonders solche kleinen Überreste machten den Besuch interessant: Geschirr, alte Dekorationen, Schränke und andere Dinge aus dem Alltag erzählten ihre ganz eigene Geschichte.
Etwa zwei Jahre später …
Rund zwei Jahre nach unserem ersten Besuch kamen wir noch einmal nach Buchheim zurück. Der Gasthof hatte sich in dieser Zeit weiter verändert, und so entstanden noch einmal ganz andere Eindrücke.
Diesmal schauten wir uns auch die Gebäude direkt neben dem ehemaligen Gasthof an. Dazu gehörte unter anderem ein kleiner Kindergarten, der ebenfalls schon lange nicht mehr genutzt wurde. Auch hier war die Zeit deutlich sichtbar. Zwischen den verlassenen Räumen und dem überwucherten Außengelände fanden sich noch zahlreiche Spuren der früheren Nutzung.
Besonders auffällig waren außerdem zwei alte Autos, die auf dem Gelände vor sich hin rosteten. Zwischen Gras und Büschen wirkten die Fahrzeuge fast so, als wären sie irgendwann einfach zurückgelassen worden. Zusammen mit dem alten Gasthof entstand dadurch eine Szenerie, die heute kaum noch vorstellbar ist.
Der Gasthof war auf meiner Website ursprünglich unter dem fiktiven Namen „Gasthof der roten Vorhänge“ zu finden. Diesen Namen hatte ich gewählt, um den tatsächlichen Standort des Lost Places nicht preiszugeben. Da der ehemalige Gasthof inzwischen abgerissen wurde und das Grundstück neu genutzt werden soll, gibt es heute keinen Grund mehr, die Ortsangabe geheim zu halten.
Der Gasthof „Zur Erholung“ in Buchheim ist damit ein weiteres Beispiel für einen Lost Place, der heute vollständig verschwunden ist. Übrig bleiben nur Erinnerungen – und die Fotografien aus einer Zeit, in der das Gebäude zwar längst verlassen war, aber noch viele Spuren seines früheren Lebens bewahrte.
Wer meine Arbeit unterstützen möchte, kann mich gern bei Ko-Fi unterstützen: Bring mich dahin!
Ähnliche Beiträge
Lost-Places-Fotografie aus Meißen
Ich bin Philipp aus Meißen und fotografiere seit einigen Jahren verlassene Orte. Verwitterte Mauern, zerbrochene Fenster und verblasste Erinnerungen - diese Orte erzählen Geschichten von einer vergangenen Zeit. Mich fasziniert die morbide Schönheit dieser Orte und die Spuren der Zeit, die sie tragen.
Mit meiner Kamera halte ich diese vergessenen Momente fest und bewahre sie vor dem Vergessen. Dabei gibt es immer ein Motto: "Nimm nichts mit, außer Fotografien und hinterlasse nichts, außer Fußspuren!".
Neben der Lost-Places-Fotografie entstehen auf meinen Reisen und Touren auch Fotografien von Städten, Landschaften, Stadien und anderen besonderen Orten.
Kommentare
Einen Kommentar schreiben