Im Herzen von Hauswalde, heute ein Ortsteil von Großröhrsdorf, stand über viele Jahrzehnte Hartmanns Gasthof. Das genaue Baujahr des historischen Gasthauses ist heute nicht mehr bekannt. Eine historische Ansicht aus dem Jahr 1907 zeigt den Gasthof jedoch bereits zusammen mit der Hauswalder Kirche und der Schule. Er muss zu diesem Zeitpunkt also schon bestanden haben.
Hartmanns Gasthof war einst weit mehr als eine einfache Gaststätte. Über viele Jahre war das Haus ein wichtiger Treffpunkt für die Menschen aus Hauswalde und Umgebung. Hier wurde gefeiert, zusammengesessen und das gesellschaftliche Leben des Ortes gepflegt. Eine besondere Bedeutung hatte dabei der große Ballsaal. Die kunstvoll gestaltete Decke mit ihrer aufwendigen Bemalung verlieh dem Saal eine besondere Atmosphäre und erinnerte an die Zeit, in der solche Gasthäuser noch eine zentrale Rolle im Dorfleben spielten.
Wie eng der Gasthof mit dem gesellschaftlichen Leben in Hauswalde verbunden war, zeigt eine Begebenheit aus der Nachkriegszeit: Am 24. Februar 1946 trafen sich dort rund 45 Sängerinnen und Sänger und gründeten die „Singgemeinschaft Hauswalde“. Der Gasthof war damit auch ein Ort, an dem nach den schwierigen Jahren des Zweiten Weltkriegs wieder gemeinschaftliches Leben entstand.
Irgendwann kam jedoch das Ende des Gaststättenbetriebs. Hartmanns Gasthof schloss noch vor der deutschen Wiedervereinigung und blieb anschließend über viele Jahre ungenutzt. Das Gebäude wurde zwar zwischenzeitlich gesichert, konnte aber nicht dauerhaft vor dem Verfall bewahrt werden. 2003 wurde der ehemalige Gasthof erstmals versteigert. Auch danach blieb eine Wiederbelebung des Hauses aus.
Mit zunehmendem Leerstand verfiel das Gebäude immer stärker. Durch undichte Dächer, beschädigte Bauteile und eindringende Feuchtigkeit wurde aus dem einst beliebten Gasthof schließlich ein verlassener Ort. Besonders der ehemalige Ballsaal mit seiner historischen Decke machte den zunehmenden Verfall sichtbar. Für Lost-Places-Fotografen bot das Gebäude damit über Jahre einen ungewöhnlichen Einblick in die Vergangenheit von Hauswalde.
Doch der Zustand des ehemaligen Gasthofs wurde zunehmend gefährlich. Die Stadt Großröhrsdorf plante deshalb den Abriss des stark einsturzgefährdeten Gebäudes. Im Jahr 2021 rückte das Ende von Hartmanns Gasthof schließlich näher. Aufgrund des schlechten baulichen Zustands war das historische Gebäude nicht mehr zu erhalten.
Bevor die Abrissarbeiten beginnen konnten, sorgte allerdings noch die Natur für eine Verzögerung. Ein artenschutzrechtliches Gutachten hatte im ehemaligen Gasthof Fortpflanzungs- und Ruhestätten sowie ein Zwischenquartier von Fledermäusen nachgewiesen. Die Tiere mussten zunächst das Gebäude verlassen, bevor die entsprechenden Bereiche verschlossen werden konnten. Kurz vor dem geplanten Abriss wurde sogar erneut eine Fledermaus im Gebäude entdeckt, weshalb die Naturschutzbehörde zunächst einen weiteren Baustopp verhängte.
Am 30. November 2021 begannen schließlich die Abrissarbeiten. Damit verschwand eines der markanten historischen Gebäude von Hauswalde endgültig aus dem Ortsbild.
Heute erinnert kaum noch etwas an Hartmanns Gasthof. Das ehemalige Gebäude wird in den städtebaulichen Planungen als „Alter Hartmanns Gasthof“ geführt; für die Fläche sind Abriss und Renaturierung vorgesehen.
Was bleibt, sind historische Aufnahmen, Erinnerungen der Menschen aus Hauswalde – und die Fotografien aus der Zeit, als der einstige Gasthof bereits verlassen war. Sie halten einen Ort fest, der über ein Jahrhundert zum Ortsbild gehörte und dessen Geschichte schließlich mit dem Abriss im Jahr 2021 endete.
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Lost-Places-Fotografie aus Meißen
Ich bin Philipp aus Meißen und fotografiere seit einigen Jahren verlassene Orte. Verwitterte Mauern, zerbrochene Fenster und verblasste Erinnerungen - diese Orte erzählen Geschichten von einer vergangenen Zeit. Mich fasziniert die morbide Schönheit dieser Orte und die Spuren der Zeit, die sie tragen.
Mit meiner Kamera halte ich diese vergessenen Momente fest und bewahre sie vor dem Vergessen. Dabei gibt es immer ein Motto: "Nimm nichts mit, außer Fotografien und hinterlasse nichts, außer Fußspuren!".
Neben der Lost-Places-Fotografie entstehen auf meinen Reisen und Touren auch Fotografien von Städten, Landschaften, Stadien und anderen besonderen Orten.
Kommentare
Kommentar von Schütze |
Es gibt da sicher mehr drüber zu erzählen. Bilder sind super
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