Das ehemalige Stadion Za Lužánkami – ein Lost Place mit großer Fußballgeschichte

Am 7. August startete mein Wochenendtrip durch vier Länder: Tschechien, Ungarn, die Slowakei und Österreich. Drei Tage, vier Länder und insgesamt fünf Fußballspiele standen auf dem Programm. Den Auftakt machte Brno, das tschechische Brünn. Bevor am Abend noch das Erstligaspiel zwischen Zbrojovka Brno und Slovan Liberec auf dem Programm stand, wollte ich mir allerdings zunächst einen ganz besonderen Ort anschauen: das ehemalige Stadion Za Lužánkami.

Vom Fußballtempel zum Lost Place

Das Stadion Za Lužánkami war über Jahrzehnte die Heimat des FC Zbrojovka Brno und gehörte einst zu den bedeutendsten Fußballstadien der damaligen Tschechoslowakei beziehungsweise Tschechiens. Bis 2001 trug der Verein hier seine Heimspiele aus, ehe der Spielbetrieb im Stadion endgültig eingestellt wurde.

Heute ist von der einstigen Fußballarena allerdings nicht mehr viel übrig. Die Tribünen sind verfallen, das Spielfeld ist stark überwuchert und an vielen Stellen hat sich die Natur große Teile des Geländes zurückerobert. Gerade dieser Kontrast zwischen der großen Vergangenheit des Stadions und seinem heutigen Zustand macht Za Lužánkami zu einem besonders interessanten Lost Place.

Dabei war das Stadion zu seinen besten Zeiten alles andere als ein kleiner Ground.

Einen der größten Zuschaueraufmärsche erlebte Za Lužánkami im März 1980. Zum UEFA-Pokal-Viertelfinale gegen Eintracht Frankfurt kamen unglaubliche 52.000 Zuschauer ins Stadion. Bis heute ist dies der Zuschauerrekord der Anlage. Auch Jahre später sorgte das Stadion noch einmal für eine beeindruckende Kulisse: 1996 kamen 44.120 Zuschauer zum Erstligaspiel gegen Slavia Praha – damals ein tschechischer Zuschauerrekord in der Liga.

Wenn man heute durch die teilweise verfallene Anlage blickt, sind solche Zahlen kaum noch vorstellbar.

Ein letztes großes Fußballspiel im Jahr 2015

Ganz verschwunden war das Leben aus Za Lužánkami allerdings noch nicht.

2015 erlebte das Stadion noch einmal einen letzten großen Auftritt. Für das Abschiedsspiel des ehemaligen Brünner Publikumslieblings Petr Švancara wurde die längst verfallene Anlage mit erheblichem Aufwand wieder hergerichtet. Zu diesem besonderen Spiel kamen rund 35.000 Zuschauer – eine beeindruckende Kulisse für ein Stadion, das eigentlich schon längst keine reguläre Fußballstätte mehr war.

Es sollte jedoch tatsächlich der letzte große Moment des Za Lužánkami bleiben. Nach dem Spiel setzte sich der Verfall wieder fort. Heute erinnert nur noch wenig an die Zeit, in der hier Zehntausende Menschen auf den Tribünen standen und große Europapokal- und Ligaspiele verfolgt wurden.

Ein Lost Place mitten in Brno

Genau dieser Gegensatz war für mich der Grund, warum ich das Stadion unbedingt sehen wollte. Ich interessiere mich schon seit längerer Zeit für Lost Places und fotografiere gerne Orte, an denen die Zeit scheinbar stehen geblieben ist. Ein ehemaliges Fußballstadion mit einer solchen Geschichte ist dabei natürlich besonders spannend.

Schon von außen bekommt man einen guten Eindruck vom heutigen Zustand der Anlage. Durch die Zäune konnte ich einige interessante Perspektiven auf die Tribünen, das Spielfeld und die inzwischen stark überwucherten Bereiche bekommen.

Überall ist zu sehen, wie sehr der Zahn der Zeit an dem Stadion nagt. Beton und Sitzreihen sind verwittert, Pflanzen wachsen durch und über die alten Strukturen und große Teile des Geländes wirken inzwischen beinahe wie von der Natur zurückerobert.

Besonders faszinierend fand ich dabei den Gedanken, dass genau an diesen Stellen früher Zehntausende Fans standen. Wo heute Unkraut wächst und die alten Tribünen langsam zerfallen, herrschte früher eine völlig andere Atmosphäre. Gerade bei Spielen vor 40 oder 50 Jahren muss die Stimmung hier gewaltig gewesen sein.

Lieber von außen als mitten hinein

Natürlich wäre es reizvoll gewesen, die Anlage auch von innen zu erkunden. Theoretisch wäre das durchaus möglich gewesen. Letztlich entschied ich mich aber dagegen und blieb bei den Außenaufnahmen und ein Blick von den Außenzäunen.

Das war im Nachhinein wahrscheinlich auch die bessere Entscheidung.

Denn lange dauerte es nicht, bis die Polizei vor Ort auftauchte und mich ziemlich genau im Blick hatte. Ich bewegte mich deshalb lediglich von einem Aufgang zum nächsten und konzentrierte mich auf die Bereiche, die ich von außen fotografieren konnte. Die Beamten beobachteten zwar, was ich machte, ließen mich ansonsten aber in Ruhe.

Für einen ersten Eindruck von Za Lužánkami reicht die Perspektive von außen ohnehin vollkommen aus. Und irgendwie passt es für mich auch zu einem Lost Place, die Überreste zunächst auf sich wirken zu lassen, anstatt unbedingt jeden Winkel betreten zu müssen.

Was passiert mit Za Lužánkami?

Interessant ist auch die Frage, wie es mit dem historischen Gelände weitergeht. Denn möglicherweise wird das Areal irgendwann wieder zu einem Fußballstandort.

Zbrojovka Brno möchte auf dem historischen Gelände ein neues Stadion errichten. Im Gespräch ist ein moderner Neubau mit einer Kapazität von rund 30.000 bis 35.000 Plätzen. Damit könnte ausgerechnet dort, wo heute die Überreste des alten Stadions vor sich hin zerfallen, eines Tages wieder eine große Fußballarena entstehen.

Ganz so einfach ist das Projekt allerdings nicht. Im Juni 2026 wurde die Entscheidung über den Verkauf der benötigten Grundstücke zunächst verschoben. Hintergrund waren unterschiedliche Gutachten, die bei der Bewertung der Grundstücke zu erheblichen Abweichungen kamen. Ein weiteres Gutachten soll nun für Klarheit sorgen.

Ob und wann an dieser Stelle tatsächlich ein neues Stadion entsteht, bleibt deshalb abzuwarten.

Für mich war der Besuch aber schon jetzt eine interessante Reise in die Vergangenheit. Za Lužánkami ist ein Ort, an dem man besonders deutlich sehen kann, wie schnell sich die Bedeutung eines Stadions verändern kann. Einst kamen hier mehr als 50.000 Menschen zu großen Europapokalspielen, heute stehen überwucherte Tribünen und verfallene Betonreste auf dem Gelände.

Gerade dieser Gegensatz macht den Ort für mich so faszinierend.

Mein Besuch in Brno war damit allerdings noch lange nicht vorbei. Nach dem Abstecher zum alten Za Lužánkami ging es weiter zur heutigen Heimspielstätte von Zbrojovka Brno. Dort wartete am Abend schließlich das eigentliche Fußballspiel des Tages auf mich.

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Ich bin Philipp aus Meißen und fotografiere seit einigen Jahren verlassene Orte. Verwitterte Mauern, zerbrochene Fenster und verblasste Erinnerungen - diese Orte erzählen Geschichten von einer vergangenen Zeit. Mich fasziniert die morbide Schönheit dieser Orte und die Spuren der Zeit, die sie tragen.

Mit meiner Kamera halte ich diese vergessenen Momente fest und bewahre sie vor dem Vergessen. Dabei gibt es immer ein Motto: "Nimm nichts mit, außer Fotografien und hinterlasse nichts, außer Fußspuren!".

Neben den Lost Places zeige ich auch gelegentlich Bilder von meinen Reisen und Touren, die mich an neue und aufregende Orte führen.